Mit geothermischer Fernwärme zum KfW 55 Standard

Die gemeinnützige Baugenossenschaft Grünwald e.G. schließt 87 neue Wohnungen in der Fritz-Kneidl-, Josef-Sammer-, Josef-Kogler- und Josef-Würth-Straße nach Baufortschritt an die geothermische Fernwärme der Erdwärme Grünwald an.

Als eine Gruppe Grünwalder um Bürgermeister Martin Kneidl am 4. Mai 1949 die Gemeinnützige Baugenossenschaft Grünwald e.G. gründete, ging es vor allem darum, Wohnraum für Ausgebombte, Flüchtlinge und Heimatvertriebene zu schaffen. Die ersten Wohnungen der Baugenossenschaft entstanden dann in der Fritz-Kneidl-, Josef-Würth-, Josef-Kogler-, Josef-Sammer- und Oberhachinger Straße.


Nach und nach kamen weitere Wohnungen hinzu: so Anfang der 1950er Jahre in der Sudelfeldstraße, Mitte der 70er Jahre in der Breitensteinstraße, Mitte der 80er Jahre Am Fischerwinkel sowie Anfang der 90er Jahre noch einmal über 100 Wohnungen in der Laufzorner Straße. So stellt die Grünwalder Baugenossenschaft ihren Mitgliedern heute insgesamt 297 Wohnungen in Grünwald zur Verfügung — ein umfangreicher Bestand, der vom hauptamtlichen Vorstand Mario Kurtek und seinen Vorstandskollegen Claus Eisenmann und Andreas Roth professionell verwaltet wird.


„Grün, das Nachbarn schafft“

Im Mai 2012 begannen die Planungen für den sukzessiven Neubau der Wohnungen des Altbestandes aus dem Jahr 1949. Die Grünwalder Baugenossenschaft hatte beschlossen, den nicht mehr dem heutigen Standard entsprechenden Altbestand nach und nach abzureißen und auf dem Gelände Fritz-Kneidl-, Josef-Sammer-, Josef-Kogler- und Josef-Würth-Straße insgesamt 87 neue Wohnungen und eine Tiefgarage zu errichten. Baustart für den 1. Bauabschnitt war im Juni 2016. Hier entstehen sukzessive acht Häuser, von denen immer jeweils vier um einen Innenhof gruppiert sind — nach dem Konzept „Grün, das Nachbarn schafft“. In den Häusern sind jeweils zehn bzw. 14 überwiegend 2- und 3-Zimmer-Wohnungen. Seit Juni 2017 bereits bezogen ist die Josef-Kogler-Straße 10 und die Josef-Würth-Straße 11a; ab Mitte Juli 2018 sind dann auch die Häuser Josef-Kogler-Straße 12 sowie Josef-Sammer-Straße 2 und 4a beziehbar. Und sie alle sind an die geothermische Fernwärme der Erdwärme Grünwald angeschlossen.


Ein wesentlicher Aspekt der Neubebauung ist der Energiestandard der Häuser. „Für uns war klar: Wir bauen nachhaltig und damit besonders wirtschaftlich“, sagt Mario Kurtek„ „alle Häuser werden als KfW-Effizienzhaus nach Standard 55 errichtet, das heißt sie sparen gegenüber einem ‚normalen‘ Neubau bis zu 45% an Energie ein. Dies senkt die Betriebskosten über den gesamten Lebenszyklus, schont die Umwelt und sichert uns notwendige Fördermittel der KfW.“


Ganz entscheidend für den KfW Standard 55 ist der Anschluss an die geothermische Fernwärme, den die Grünwalder Baugenossenschaft frühzeitig mit der Erdwärme Grünwald zusammen plante. „Die Niedertemperatur-Heizung mit geothermischer Fernwärme wird bei der Errechnung des Primärenergiebedarfs besonders stark gewichtet“, erläutert Mario Kurtek, „daher können wir die Dämmung deutlich reduzieren — so sparen wir in Kombination mit der Ziegelbauweise noch einmal

 

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Freuen sich über den Anschluss der Neubauten der Baugenossenschaft Grünwald e.G. an die geothermische Fernwärme der Erdwärme Grünwald:

Mario Kurtek, hauptamtlicher Vorstand der Baugenossenschaft Grünwald e.G. (l.), und Grünwalds 1. Bürgermeister Jan Neusiedl


Kosten. Unsere Mitglieder wohnen daher umweltschonend und zu dauerhaft bezahlbaren Energiekosten — denn durch die Ersparnis bei den Heizkosten können wir die Betriebskosten in Grenzen halten.“


„Praktisch alle Neubauten, die in Grünwald entstehen, werden an die geothermische Fernwärme angeschlossen“, sagt Jan Neusiedl, 1. Bürgermeister der Gemeinde Grünwald, die seinerzeit ein gemeindeeigenes Grundstück kostenlos in die Grünwalder Baugenossenschaft miteingebracht hatte, allerdings wie alle anderen Mitglieder nur eine Stimme hat, „wir freuen uns darüber, dass sich die Grünwalder Baugenossenschaft für die Energie der Erdwärme Grünwald entschieden hat. Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz gehen hier Hand in Hand.“ Mit den 87 neuen Wohnungen der Baugenossenschaft schließt die EWG rund 260 kW zusätzliche Leistung an die geothermische Fernwärme an — gleichzeitig steigt die Anzahl der an die Fernwärme angeschlossenen Wohneinheiten auf über 2.000.


Geplante Fertigstellung der drei weiteren Wohnhäuser des 1. Bauabschnitts in der Josef-Würth-Straße 9 und 11 sowie in der Josef-Sammer-Straße 4 ist im Herbst 2019 — natürlich auch hier mit EWG Fernwärmeanschluss. Der 2. Bauabschnitt mit sechs Gebäuden in der Oberhachinger und Josef-Sammer-Straße ist für 2021 / 2022 geplant — hier wird ein erweiterter Grundriss-Mix entstehen, auch mit großen Wohnungen für Familien mit Kindern. „Das Genossenschaftsprinzip lebt“, sagt Mario Kurtek, „unsere Wohnungen sind beliebt, und die Warteliste ist ziemlich lang. Ich freue mich darüber, dass wir auch weiterhin Grünwalder Bürgerinnen und Bürgern attraktiven und bezahlbaren Wohnraum anbieten können.“


KfW Standard 55

Der Begriff "KfW-Effizienzhaus" wurde vom Bundesbauministerium, der KfW und der Deutschen Energie-Agentur entwickelt. Die KfW fördert den Bau oder Kauf von energiesparenden Immobilien nach der seit 2009 geltenden Energieeinsparverordnung (EnEV) mit zinsgünstigen Darlehen. Zudem erhalten die Hausbauer bei den Effizienzhäusern KfW 55 und KfW 40 noch einen Tilgungszuschuss, der die Laufzeit verkürzt und das Darlehen reduziert. Die Zahl nach dem Begriff KfW-Effizienzhaus gibt an, wie weit das Haus die Vorgaben der EnEV unterschreitet. Hier geht man vom Standard-Niedrigenergiehaus (100 %) aus. Ein KfW Effizienzhaus 55 darf also pro m2 Wohnfläche und Jahr nur 55 % der Energie des Referenzgebäudes nach EnEV verbrauchen.

Letzte Änderung: 11.06.2018 08:48 Uhr